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Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten (gemischte Krankenanstalt).

ZERVIKALGIE

weiterer Suchbegriff: chronische Zervikalgie

Als Zervikalgie bezeichnet der Arzt Schmerzen im Nackenbereich.

Die Zervikalgie tritt hauptsächlich im Rahmen eines sog. HWS-Syndroms auf. Dieses Syndrom ist ein Sammelbegriff für von der Halswir belsäule ausgehende oder den Halswir belsäulenbereich betreffende Schmerzen.

Auflistung der wichtigsten vertebragenen (= wirbelsäulenbedingten) Ursachen einer Zervikalgie:

Degenerative Veränderungen (= durch Abnutzung hervorgerufen)
- Bandscheibenveränderungen (Bandscheibenvorwölbungen, Bandscheibenprolaps)
- ligamentäre Insuffizienz
(= Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
- knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.)
Entzündliche Erkrankungen
- Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalgia)
Generalisierte Skeletterkrankungen
- (z.B. Osteoporose, Osteomalazie)
Traumen
(= Verletzungen) (Frakturen, Schleudertrauma der HWS)


Die mit Abstand häufigste Ursache für die chronische Zervikalgie sind von der Halsw
ir belsäule ausgehende Störungen, hauptsächlich im Bereich der gelenkigen Wirbelverbindungen, die sog. "Wirbelblockierungen". In der Regel klagen die Patienten über Schmerzen im Nackenbereich, die in die Schultern, manchmal bis in die Arme und/oder auch in den Hinterkopf (z.T. bis zur Stirn) ausstrahlen können. Meist ist die Muskulatur neben der Wirbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswir belsäule.
Zum Ausschluß eines die Nervenwurzeln betreffendes Krankheitsgeschehens (radikuläre Symptomatik), bedarf es immer einer fachlichen Abklärung (Neurologie, Radiologie).
Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch erzwungener Fehlhaltung (Schiefhaltung) werden als „akuter Torticollis“ bezeichnet.

Die Halswir belsäule unterteilt sich in drei Abschnitte, entsprechend können zu einer Zervikalgie weitere Beschwerden hinzukommen.

Zervikalgie aufgrund eines oberen H WS-Synd roms:
Die typischen Krankheitszeichen sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt
(Kügelgen et Hillemacher 1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames Merkmal sind Schmerzen im Nackenbereich mit Schmerzausstrahlung nach oben in den Kopf, da sich die Störungen überwiegend auf die Nervenwurzel des 2. Halswirbels konzentrieren. Die Schmerzeinstrahlung in den Hinterkopf, teilweise auch bis zur Stirnregion ziehend, führt häufig zur Diagnose eines zervikogenen oder vertebragenen (= wirbelsäulenbedingten) Kopfschmerzes.
Inwieweit die HWS-spezifische "Unkovertebralarthrose"
(= Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern) über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader (A. vertebralis) im Foramen intervertebrale (= Zwischenwirbelloch) ein zerviko-kephales (= Hals und Kopf betreffendes) Krankheitsbild verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt.

Zervikalgie aufgrund eines mittleren H WS-Synd roms:
Typische Schmerzen treten im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5 auf und strahlen in die Schulterblätter, auch bis über die Schul ter aus.
Beim radikulären Syndrom
(= Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung, -schädigung) treten Störungen der Nervenfunktion in Form von herabgesetzter Empfindung und/oder Lähmungen von Schulterblattmuskeln (z.B. M. levator scapulae) auf.
Ganz selten kommt es auch zu Zwerchfellähmung
(Thoden 1987). Beim radikulären Syndrom der Nervenwurzel des 5. Halswirbels ist der M. biceps brachii (= 2köpfiger Oberarm-Muskel) betroffen.

Zervikalgie aufgrund eines unteren H WS-Synd roms:
Da die Nervenwurzeln des 6. bis 8. Halswirbels und des 1. Brustwirbels betroffen sind, kann die Zervikalgie in den Schul ter- /Armbereich bis in den Kleinfinger ausstrahlen.
Meist wird dieser Schmerzzustand mit „Zerv iko-B rachialgie" bezeichnet, obwohl streng genommen das Zerviko-B rachialgie -Syndrom mit einer radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung, -schädigung) einhergeht (Debrunner 1988). Die pseudoradikuläre (= auf eine scheinbare Nervenschädigung zurückzuführende) Ausstrahlung in die Arme fällt noch unter den Begriff "Zer vikalsyndrom".
Bei Störung der Nervenwurzel des 1. Brustwirbels kann sich ein Horner-Syndrom
(= Augenlidsenkung, Verengung der Pupille, Zurücksinken des Augapfels) ausbilden (Thoden 1987).

Eine akute Zervikalgie kann aber auch das Leitsymptom (= deutlich hinweisendes Krankheitszeichen) einer Meningitis (= Hirnhautentzündung) sein, eine lebensbedrohliche Erkrankung. In typischer Weise wird dabei aber der Kopf überstreckt gehalten.

Medikamentöse Behandlung der Zervikalgie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika ((z.B. Tramadol, Tilidin, Oxycodon (Tilidin oder Oxycodon auch mit Naloxon) oder Morphin)) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei diesen Schmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmer zen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Zervikalgie:
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockade
n.

Infiltrative Lokalanästhesie:
Die einfachste diesbezügliche Therapie einer
Zervikalgie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Muskulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden bei Zervikalgie:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich Blockaden (= Betäubungen) der korrespondierenden Nervenwurzeln (= Nervenaustrittstellen neben der Wirbelsäule).
Gegen Schmerzausstrahlungen in den Hinterkopf im Rahmen eines oberen H
WS-Syndro ms wirken wiederholte Betäubungen Nn. occipitales (= Nerven am Hinterkopf).
Eine Zervikalgie
mit Schmerzausstrahlung in Schul ter/Arm, wie sie beim unteren H WS-Syndro m bzw. bei der Zervikobrachialgie in typischer Weise vorkommt, spricht zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Plexus brachialis (= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Plexus brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten).

Physikalische Therapie bei Zervikalgie (chronische):
Auch die Elektrostimulation kann bei Schmerzen im Nac ken eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Halsw
ir belsäule aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei
Zervikalgie die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer
Zervikalgie (chronische) empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Schmerzen im Nackenbereich lindern.
Die Verordnung von Massagen ist nicht immer sinnvoll. Häufig brechen Patienten diese Behandlung ab, weil sie dadurch eher eine Schmerzverstärkung verspüren. Optimal wirkungsvoll sind Massagen dann, wenn sie unmittelbar im Anschluß an eine Schmerzbehandlung erfolgen, was allerdings eine enge Abstimmung zwischen Schmerztherapeut und Masseur voraussetzt. Nahezu unverzichtbar ist
aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Muskulatur neben der Halswir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Muskulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei einer Zervikalgie aufgrund akuter Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen) Veränderungen der W
ir belsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung (Thomalske 1991) und Magnetfeldtherapie empfohlen.

Andere Therapiemaßnahmen bei Zervikalgie:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Muskulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche Krawatte sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind bei länger anhaltender
Zervikalgie eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Psychotherapeutische Interventionen können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Besteht eine chronische Zervikalgie längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Erläuterungen:

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch für 10-14 Tage dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.

Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05) und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)).

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